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Autor
Mirco Schmidt
Mein erster Kontakt zu grünem Strom war 1994 beim Aufbau des ersten hessischen Windparks

24/7-Erneuerbare schlagen fossile Kraftwerke bei den Kosten
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Die internationale Energieagentur IRENA (International Renewable Energy Agency) kommt in einer neuen Analyse zu einem bemerkenswerten Ergebnis: Eine zuverlässige Stromversorgung auf Basis von erneuerbaren Energien kann inzwischen günstiger sein als der Betrieb neuer fossiler Kraftwerke. 🌍⚡

Damit verschiebt sich eine der wichtigsten Debatten der Energiewende. Lange galt die Frage, ob Solar- und Windenergie zwar günstig erzeugt werden können, aber bei Dunkelflauten und nachts nicht ausreichen. Genau hier setzt das neue Konzept der sogenannten „24/7 Renewables“ an – also einer rund um die Uhr verfügbaren Versorgung aus erneuerbaren Energien kombiniert mit Speichern, intelligenten Netzen und flexiblen Verbrauchern.

Was bedeutet „24/7 Renewables“?
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Der Begriff beschreibt Energiesysteme, die jede Stunde des Tages vollständig durch erneuerbare Energiequellen abgesichert werden können. Dazu gehören insbesondere:

  • Photovoltaik
  • Windkraft
  • Batteriespeicher
  • Pumpspeicher
  • Wasserstoffspeicher
  • Lastmanagement
  • intelligente Stromnetze

Statt einzelne Kraftwerke dauerhaft laufen zu lassen, entsteht ein flexibles Gesamtsystem. Überschüssiger Solarstrom am Mittag wird gespeichert oder direkt genutzt, während Windenergie nachts oder in schwächeren Solarzeiten einspringt.

Warum die neuen Zahlen wichtig sind
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IRENA betont, dass die Kosten für erneuerbare Technologien in den letzten Jahren massiv gefallen sind. Besonders Batteriespeicher entwickeln sich aktuell schneller als viele Marktbeobachter erwartet hatten.

Für Verbraucher ist das relevant, weil sich dadurch mehrere Entwicklungen beschleunigen könnten:

1. Sinkende langfristige Stromkosten
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Erneuerbare Energien benötigen keine Brennstoffe. Während Gas- und Kohlekraftwerke dauerhaft von Rohstoffpreisen abhängig bleiben, produzieren Solar- und Windanlagen nach ihrer Installation extrem günstig Strom.

Gerade in Europa zeigt sich 2026 zunehmend, dass volatile Gaspreise ein dauerhaftes Risiko für Haushalte und Unternehmen darstellen.

2. Weniger Abhängigkeit von Energieimporten
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Europa importiert weiterhin große Mengen fossiler Energieträger. Lokale Solar- und Windkraft reduzieren diese Abhängigkeit erheblich und erhöhen gleichzeitig die Versorgungssicherheit.

3. Negative Strompreise nehmen zu
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Durch den starken Ausbau erneuerbarer Energien entstehen immer häufiger Stunden mit negativen Strompreisen. Das bedeutet: Es wird zeitweise mehr Strom produziert als verbraucht.

Für Verbraucher mit dynamischen Stromtarifen, Batteriespeichern oder Elektroautos entstehen dadurch neue Sparpotenziale.

Hintergrund: Von Grundlast zu Flexibilität
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Über Jahrzehnte basierte das Energiesystem auf sogenannten Grundlastkraftwerken. Große Kohle-, Gas- oder Atomkraftwerke liefen möglichst konstant und deckten den Großteil des Strombedarfs ab.

Das Problem: Dieses Modell passt schlecht zu modernen erneuerbaren Energiesystemen.

Heute verschiebt sich der Fokus von „dauerhaft laufenden Kraftwerken“ hin zu:

  • flexiblen Verbrauchern
  • dezentraler Energieerzeugung
  • Speichern
  • intelligenten Netzen
  • kurzfristig regelbaren Kapazitäten

Batteriespeicher spielen dabei eine zentrale Rolle. Die Preise für Lithium-Ionen-Speicher sind seit Jahren stark gefallen, während gleichzeitig die Leistungsfähigkeit steigt.

Aktueller Stand 2026
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Die Entwicklungen beschleunigen sich weltweit deutlich.

Laut IRENA investieren viele Staaten inzwischen massiv in:

  • Großspeicher
  • Wasserstoffprojekte
  • Netzausbau
  • flexible Strommärkte
  • intelligente Laststeuerung

Besonders interessant: Neue Solar- und Windparks inklusive Speicher werden in vielen Regionen inzwischen günstiger kalkuliert als neue fossile Kraftwerke.

Auch Deutschland bewegt sich zunehmend in diese Richtung. Der Ausbau von Batteriespeichern erlebt 2026 einen regelrechten Boom. Gleichzeitig entstehen neue Geschäftsmodelle rund um:

  • bidirektionales Laden
  • Heimenergiespeicher
  • virtuelle Kraftwerke
  • flexible Stromtarife

Für private Haushalte bedeutet das langfristig mehr Möglichkeiten zur Eigenversorgung und zur aktiven Teilnahme am Energiemarkt.

Herausforderung bleibt der Netzausbau
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Trotz aller Fortschritte bleibt der Ausbau der Stromnetze eine zentrale Aufgabe.

Denn erneuerbare Energien funktionieren am effizientesten, wenn Strom regional verteilt, gespeichert und intelligent gesteuert werden kann. Verzögerungen beim Netzausbau könnten die Energiewende unnötig verteuern.

Auch Genehmigungsprozesse und regulatorische Hürden gelten weiterhin als Bremsfaktoren.

Ausblick: Fossile Kraftwerke verlieren ihren Kostenvorteil
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Die IRENA-Analyse deutet auf einen historischen Wendepunkt hin: Nicht nur ökologisch, sondern zunehmend auch wirtschaftlich verlieren fossile Kraftwerke ihre traditionelle Stärke.

Damit verändert sich die Diskussion grundlegend:

Die Frage lautet nicht mehr, ob erneuerbare Energien günstig genug sind – sondern wie schnell Infrastruktur, Speicher und Netze ausgebaut werden können.

Für Verbraucher entstehen daraus neue Chancen:

  • günstigere Stromkosten
  • mehr Unabhängigkeit
  • bessere Nutzung von Solarstrom
  • intelligente Stromtarife
  • aktive Teilnahme an der Energiewende

Quellen
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Wer die Vorteile dynamischer Strommärkte und erneuerbarer Energien optimal nutzen möchte, sollte regelmäßig einen aktuellen Strompreisvergleich durchführen. Mehr dazu auf gruener-strom.de.