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Autor
Mirco Schmidt
Mein erster Kontakt zu grünem Strom war 1994 beim Aufbau des ersten hessischen Windparks

Senken Wind und Solar wirklich den Strompreis? Was die neue Studie zeigt – und was nicht
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Die Frage klingt einfach, die Antwort ist es nicht. Eine neue Kurzstudie von Montel Analytics im Auftrag des BUND, veröffentlicht am 4. August 2026, liefert belastbare Zahlen dafür, dass ein hoher Erneuerbaren-Anteil den Börsenstrompreis in Krisenzeiten erheblich dämpft. Was sie nicht zeigt: was der Strom bei 80 Prozent Erneuerbaren im Durchschnitt kostet – und was davon beim Haushalt ankommt. Diese Unterscheidung ist entscheidend.

Was die Studie modelliert
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Die Studie trägt den Titel „Stabil statt fossil: Wie ein System aus erneuerbaren Energien und Flexibilitäten den Strompreis senkt und Energiepreiskrisen abfedert". Autor Juri Schwartz vergleicht drei Szenarien – aber unter einer gemeinsamen Bedingung: den realen Brennstoffpreisen des Krisenjahres 2022 (Gaspreis-Schock, russischer Angriff auf die Ukraine).

Die Frage lautet also nicht: Wie teuer wird Strom 2030? Sondern: Wie teuer wäre Strom gewesen, wenn wir 2022 schon ein anderes Stromsystem gehabt hätten?

Die Ergebnisse:

SzenarioØ Börsenstrompreis (€/MWh)Stunden > 500 €/MWh
2011 (fossil geprägt)382,90785
2022 (tatsächliches System)235,44499
80 % Erneuerbare (2030-Szenario)137,2741

Der Unterschied ist beachtlich: Im 80-Prozent-Szenario wäre der durchschnittliche Krisenpreis um 42 Prozent niedriger als im tatsächlichen 2022-System – und um 64 Prozent niedriger als im fossilen 2011-System. Extreme Preisspitzen über 500 €/MWh würden von 499 auf 41 Stunden pro Jahr sinken.

Der Mechanismus dahinter ist der klassische Merit-Order-Effekt: Solar- und Windkraft haben nahezu null Grenzkosten. Je mehr sie ins Netz einspeisen, desto weiter verdrängen sie teurere, grenzkostenintensivre Gaskraftwerke aus der Preissetzung – und drücken damit den Gleichgewichtspreis.

Was die Studie ausdrücklich nicht zeigt
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Hier ist Sorgfalt geboten. Die Studie modelliert Krisenpreise unter 2022-Brennstoffannahmen – sie sagt nichts darüber, wie hoch der Börsenstrompreis in einem durchschnittlichen Jahr 2030 sein wird. Unter normalen Marktbedingungen ohne Gaspreis-Schock sehen die Verhältnisse anders aus.

Noch wichtiger: Die Modellierung klammert Systemkosten aus. Was fehlt:

  • Netzausbau und Redispatch: Ein System mit 80 Prozent Erneuerbaren braucht massiv mehr Übertragungskapazität und Netzregelleistung. Das kostet Milliarden und landet als Netzentgelt auf der Rechnung.
  • Speicher und Flexibilität: Die Studie nimmt an, dass genug Flexibilität vorhanden ist (Wärmepumpen, Elektrolyseure, Elektroautos). Diese muss aber erst aufgebaut und finanziert werden.

Kritiker weisen zu Recht darauf hin, dass fehlende Systemkosten die Gesamtrechnung verzerren – die tatsächliche Kostenentlastung für Haushalte dürfte geringer ausfallen als die reinen Großhandelspreise nahelegen.

Vom Börsenstrompreis zur Haushaltsrechnung: eine große Lücke
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Selbst wenn der Börsenstrompreis sinkt – wie viel davon kommt beim Haushalt an? Aktuell setzen sich Haushaltsstrompreise grob so zusammen:

  • Energiebeschaffung und Vertrieb: rund 30–35 % (davon ist der Börsenstrompreis ein Teil)
  • Netzentgelte: rund 25–30 %
  • Steuern und Abgaben (Stromsteuer, Konzessionsabgabe, §19-Umlage): rund 25 %
  • Messung, Messstellenbetrieb: rund 5–8 %

Der Börsenstrompreis beeinflusst also nur einen Teil des Endpreises – und dieser Teil wird durch Beschaffungskosten, Hedging und Handelsmargen weiter gefiltert. Sinkende Großhandelspreise erreichen Haushalte zeitverzögert und nur teilweise: Versorger sichern sich Strom oft Monate oder Jahre im Voraus, und Netzentgelte sind regulatorisch festgelegt.

Dynamische Tarife: direkterer Durchgriff – mit Risiko
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Dynamische Stromtarife sind das Instrument, das den Börsenstrompreis am direktesten an Verbraucher weitergibt. Wer einen solchen Tarif hat, profitiert in Stunden mit günstigen Marktpreisen – also genau den Stunden, die die Studie für das 80-Prozent-Szenario als überwiegend beschreibt: viel Wind, viel Solar, niedrige Grenzkosten.

Gleichzeitig gilt: Dynamische Tarife übertragen auch Preisrisiken. In knappen Stunden – abends, bei Windflaute, bei Kälteeinbruch – können die Preise erheblich steigen. Das 80-Prozent-Szenario reduziert diese Spitzen deutlich (41 statt 499 Stunden über 500 €/MWh), aber eliminiert sie nicht.

Was die Studie trotzdem beweist
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Trotz dieser Einschränkungen ist der Befund der Studie robust in einem zentralen Punkt: Ein höherer Erneuerbaren-Anteil wirkt wie eine strukturelle Versicherung gegen Preisspitzen in Energiekrisen. Das ist keine Prognose für den Alltag, aber eine wichtige Aussage über die Systemresilienz.

BUND-Vorsitzender Olaf Bandt formuliert es so: „Der konsequente Wechsel zu erneuerbaren Energien ist weit mehr als eine klimapolitische Pflicht." Die Zahlen der Studie stützen diese Aussage – unter der genannten Kontextbedingung.

Fazit
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Die Studie liefert gute Evidenz für einen spezifischen Zusammenhang: Unter Krisenbedingungen dämpft ein erneuerbares System den Börsenstrompreis erheblich. Sie ist kein Beweis dafür, dass Haushaltsstrompreise 2030 automatisch 42 Prozent günstiger sein werden. Wer Strom- und Klimapolitik evidenzbasiert diskutieren will, muss beides unterscheiden: den Krisentest, den die Studie liefert – und die offene Frage nach den Systemkosten, die sie nicht beantwortet.

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Quellen
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Wann haben Sie zuletzt Ihren Stromtarif verglichen? Aktuelle Grünstromtarife auf gruener-strom.de.