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Autor
Mirco Schmidt
Mein erster Kontakt zu grünem Strom war 1994 beim Aufbau des ersten hessischen Windparks

DIW Energiewende-Monitor H1 2026: Fortschritt in allen Sektoren – aber das Tempo reicht nicht
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Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) veröffentlicht regelmäßig seinen Energiewende-Monitor, der den Fortschritt in allen relevanten Sektoren anhand aktueller Ausbauzahlen bewertet. Die neue Ausgabe für das erste Halbjahr 2026 (Wochenbericht 30-31/2026) zieht ein ernüchterndes Fazit: Die Energiewende macht Fortschritte – aber in keinem der zentralen Bereiche ist die Dynamik hoch genug, um die Klimaziele für 2030 zu erreichen. Autor Wolf-Peter Schill fasst es kurz: „Die Energiewende macht Fortschritte, aber in den meisten Bereichen nicht schnell genug."

Strom: Solar verliert Schwung, Wind stockt, Offshore unsicher
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Photovoltaik hat Ende Juni 2026 rund 126 GW installierter Leistung erreicht – das entspricht 58 Prozent des Zielwerts für 2030. Das klingt solide, doch das Tempo lässt nach: Im ersten Halbjahr 2026 wurden nur 79 Prozent der benötigten Ausbaugeschwindigkeit erreicht – nach 88 Prozent im zweiten Halbjahr 2025. Bemerkenswert ist die Verschiebung weg von Dachanlagen: Freiflächenanlagen stellen inzwischen 53 Prozent der Neuinstallationen, Dachanlagen nur noch 43 Prozent.

Bei der Windenergie an Land sind es 70 GW installiert – 61 Prozent des 2030-Ziels. Alarmierender ist die Ausbaugeschwindigkeit: Im ersten Halbjahr 2026 wurden nur 42 Prozent des benötigten Tempos erreicht (nach 61 Prozent im zweiten Halbjahr 2025). Positiv: Rund 18 GW sind genehmigt und alle jüngsten Ausschreibungen waren überzeichnet. Wenn die Pipeline planmäßig realisiert wird, sind die Ziele noch erreichbar – aber der Puffer schmilzt.

Offshore-Wind steht am schlechtesten da: 11 GW installiert, nur 36 Prozent des Ziels. Das Tempo ist volatil, weil einzelne Großprojekte die Statistik stark beeinflussen. Steigende Baukosten, Lieferkettenprobleme und verzögerte Investitionsentscheidungen gefährden die Pipeline.

Wärme: Wärmepumpe bei 50 % – die andere Hälfte bleibt fossil
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Im Wärmesektor erreichen Wärmepumpen im ersten Quartal 2026 rund 50 Prozent der Neuinstallationen – ein symbolisch wichtiger Wert, aber zugleich der Befund, dass die andere Hälfte aller neuen Heizungen weiterhin fossil betrieben wird. Der kumulierte Bestand liegt bei rund 2,1 Millionen Geräten – gerade einmal 12 Prozent des langfristigen Klimaszenario-Bedarfs von 16,8 Millionen Einheiten.

Das DIW kritisiert das neue Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG): Es erlaubt unter bestimmten Bedingungen weiterhin den Einbau von Gas- und Ölheizungen und gefährdet damit die Ausstiegsdynamik.

Verkehr: E-Autos gewinnen – Lkw überraschend stark
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Bei Pkw-Neuzulassungen lag der Anteil reiner Batterie-Elektrofahrzeuge im ersten Halbjahr 2026 bei 24,8 Prozent – im Juni 2026 sogar bei 28,4 Prozent (drittbester Monatswert aller Zeiten). Der Fahrzeugbestand ist mit rund 5 Prozent Elektroanteil aber noch weit von einer Flottenwende entfernt.

Überraschend positiv: Schwere Lkw erreichen 12,1 Prozent Elektroanteil bei Neuzulassungen, Sattelzugmaschinen immerhin 5,7 Prozent. Die DIW-Studie sieht hier günstigere Fahrzeugpreise und neue Kaufanreize als Treiber – warnt aber vor dem „Technologieoffenheit"-Narrativ auf EU-Ebene, das Marktklarheit für Elektromobilität untergräbt.

Flexibilität und Speicher: Die wachsende Systemlücke
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Das vielleicht dringlichste Signal des Monitor betrifft Flexibilität und Speicher. Negative Börsenstrompreise traten im ersten Halbjahr 2026 in 291 Stunden auf – deutlich mehr als die 184 Stunden im zweiten Halbjahr 2025. Der negative Erlöswert erreichte einen Rekordwert von 430 Millionen Euro. Die Ursache: Überschüsse aus Dachanlagen in nachfrageschwachen Stunden, die nicht absorbiert werden können.

Gleichzeitig weiten sich die Intraday-Preisschwankungen aus: Mittags sinken die Preise weiter, abends steigen sie stärker – ein klassisches Duckbill-Muster, das auf fehlende Speicherkapazität hinweist.

Die installierten Speicher stehen dem gegenüber:

KategorieInstalliertAnteil
Gesamtleistung28 GW (47 % der Durchschnittslast)
Heimspeicher~50 % der Kapazitätkaum preisreaktiv
Utility-Scale-Batterien~13 % der Kapazitätwächst schnell
Pumpspeicher~33 % der Kapazitätstagniert
Energieinhalt gesamt84 GWhnur 6 % des Tagesverbrauchs

Positiv: Großbatterien haben sich im ersten Halbjahr 2026 gegenüber dem Vorhalbjahr nahezu verdoppelt. Genehmigt – aber noch nicht am Netz – sind bereits 25 GW / 46 GWh. Der Flaschenhals: Netzanschlussverfahren sind zu langsam.

Was bedeutet das für Verbraucher?
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Die 291 Stunden negativer Preise sind kein abstraktes Marktphänomen – sie sind nutzbare Fenster für alle, die ihren Verbrauch flexibilisieren. Wer eine Wärmepumpe, ein Elektroauto oder einen Heimspeicher besitzt und einen dynamischen Stromtarif nutzt, kann genau in diesen Stunden laden, heizen und Wasser erhitzen – zu Null- oder Negativpreisen. Das Potenzial wächst mit jedem weiteren GW erneuerbarer Kapazität, das ans Netz geht.

Gleichzeitig wird die Abendspitze teurer. Wer seinen Verbrauch nicht verschiebt und keinen Speicher hat, zahlt zunehmend die andere Seite der Gleichung.

Fazit
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Der DIW Energiewende-Monitor zeigt einen Fortschritt, der auf die falsche Taktfrequenz eingestellt ist. Solar, Wind, Wärmepumpen, E-Autos und Speicher bewegen sich alle in die richtige Richtung – aber keiner davon schnell genug. Die politischen Empfehlungen des DIW sind klar: mehr Ausschreibungsvolumen für Wind, keine neuen fossilen Heizungen erlauben, Elektromobilitätsziele verbindlich setzen, Netzanschlussverfahren für Speicher beschleunigen.

Weiterführende Artikel
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Quellen
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Dynamische Stromtarife machen solche Marktbewegungen direkt in der Abrechnung spürbar. Welche Anbieter das bieten, zeigt gruener-strom.de.