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Autor
Mirco Schmidt
Mein erster Kontakt zu grünem Strom war 1994 beim Aufbau des ersten hessischen Windparks

Hamburg bekommt 100-MW-Batteriespeicher zur besseren Integration von Ökostrom
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In Hamburg-Bergedorf entsteht der größte Batteriespeicher, der je in einer deutschen Großstadt realisiert wurde. Das schwedische Energie-Technologieunternehmen Flower hat für das Projekt alle nötigen Genehmigungen erhalten und ist bereit mit dem Bau zu beginnen.

Die Anlage soll eine Leistung von 100 Megawatt (MW) und eine Kapazität von 400 Megawattstunden (MWh) bieten – genug, um Hamburg bei Bedarfsspitzen gezielt zu entlasten und überschüssigen Ökostrom zwischenzuspeichern.

Warum Hamburg?
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Das Gelände in Bergedorf umfasst rund zwei Hektar Gewerbefläche und liegt direkt neben dem HAW Hamburg Energy Campus sowie dem entstehenden Bergedorf Innovation Park – einem Schwerpunktzentrum für erneuerbare Energien. Damit ist der Standort nicht nur logistisch, sondern auch thematisch ideal eingebettet.

Der Netzanschluss ist bereits genehmigt, alle Baugenehmigungen liegen vor. Die Inbetriebnahme ist für Ende 2028 geplant.

Was leistet ein solcher Speicher?
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Ein 100-MW-/400-MWh-Speicher ist kein Haushaltsspeicher im großen Maßstab – er ist ein aktives Werkzeug für die Netzstabilität. Konkret übernimmt die Anlage mehrere Aufgaben:

  • Überschussstrom aufnehmen: Wenn Wind und Sonne mehr Strom erzeugen als verbraucht wird, drohten Abregelungen. Der Speicher kann diese Energie aufnehmen, statt sie zu verschwenden.
  • Preisspitzen glätten: Durch gezieltes Entladen in Hochpreisphasen stabilisiert der Speicher die Börsenpreise.
  • Frequenzregelung: Batteriespeicher reagieren in Millisekunden – deutlich schneller als konventionelle Kraftwerke – und helfen so, das Netz im Gleichgewicht zu halten.
  • Erlöse für Anlagenbetreiber sichern: Statt Windräder oder Solaranlagen abzuschalten, können deren Betreiber die gespeicherte Energie später zu besseren Preisen einspeisen.

Flower: Wachstum in Deutschland
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Flower ist bereits in Schweden, den Niederlanden, Frankreich und Belgien mit Großspeichern aktiv. In Deutschland baut das Unternehmen seine Präsenz gezielt aus:

  • 63 MW / 257 MWh in Sachsen-Anhalt (bereits akquiriert)
  • 10 MW / 20 MWh in Saarland (baureif)
  • 100 MW / 400 MWh in Hamburg-Bergedorf (neues Projekt, baureif)

Flowers CEO und Gründer John Diklev bezeichnete das Hamburger Projekt als „wichtigen Meilenstein in unseren Bemühungen, Batteriespeicher in Deutschland zu skalieren und die Stabilität des nationalen und regionalen Stromsystems zu unterstützen."

Bedeutung für Stromverbraucher
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Großspeicher wie dieser wirken sich mittelbar auf alle Stromkunden aus:

Weniger Abregelung, mehr Ökostrom im Netz
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Wenn Windräder und Solaranlagen nicht abgeschaltet werden müssen, weil Speicher den Überschuss aufnehmen, steigt der Anteil erneuerbarer Energien im Netz. Das drückt langfristig auf die Großhandelspreise.

Weniger volatile Preisspitzen
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Batteriespeicher können innerhalb von Millisekunden reagieren und Erzeugungsspitzen auffangen. Das dämpft extreme Preisausschläge an der Strombörse – sowohl nach oben als auch nach unten.

Negativpreise als Signal
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In Stunden mit sehr viel Wind- und Sonnenstrom entstehen zunehmend negative Strompreise. Großspeicher können diese Phasen gezielt nutzen: günstig laden, teuer entladen. Für Verbraucher mit dynamischen Tarifen entstehen dadurch zusätzliche Sparpotenziale.

Einordnung: Der Boom der Großspeicher
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Das Hamburger Projekt steht nicht allein. Deutschland erlebt 2026 einen deutlichen Ausbauschub bei stationären Batteriespeichern. Die Gründe:

  • Sinkende Speicherkosten: Lithium-Ionen-Batterien sind in den letzten Jahren massiv günstiger geworden.
  • Steigende Systemdienstleistungspreise: Netzstabilisierung wird wertvoller, je mehr volatile Erzeugung im Netz ist.
  • Politischer Rückenwind: Der Ausbau von Flexibilität und Speichern gilt als Schlüssel zur Erreichung der Klimaziele.

Insgesamt zeigt das Hamburger Projekt: Die Energiewende braucht nicht nur mehr Solar- und Windkraft – sie braucht auch intelligente Infrastruktur, um diese Energiequellen zuverlässig ins Netz zu integrieren.

Quellen
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Wer die Vorteile dynamischer Strommärkte und erneuerbarer Energien optimal nutzen möchte, sollte regelmäßig einen aktuellen Strompreisvergleich durchführen. Mehr dazu auf gruener-strom.de.