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Autor
Mirco Schmidt
Mein erster Kontakt zu grünem Strom war 1994 beim Aufbau des ersten hessischen Windparks

RWE übernimmt Amprion-Mehrheit: Ökostromer fordern Prüfung durch Bundesnetzagentur
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RWE erhöht seinen Anteil am Übertragungsnetzbetreiber Amprion von 20 auf rund 55 Prozent – für 3,6 Milliarden Euro. Das Bundeskartellamt hat die Transaktion am 17. Juli 2026 genehmigt, RWE gab den Deal am 24. Juli bekannt. Vier unabhängige Ökostromversorger schlagen seitdem Alarm: Bürgerwerke, Elektrizitätswerke Schönau (EWS), Green Planet Energy und naturstrom sehen das Fundament der Strommarkt-Liberalisierung in Gefahr – und fordern von der Bundesnetzagentur ein umfassendes Zertifizierungsverfahren.

Was ist Amprion – und warum ist das relevant?
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Amprion ist einer von vier Übertragungsnetzbetreibern in Deutschland und betreibt einen Teil des Höchstspannungsnetzes für den überregionalen Stromtransport. Das Netz ist eine kritische Infrastruktur: Es ist ein natürliches Monopol – es gibt kein zweites, paralleles Hochspannungsnetz, über das Strom alternativ fließen könnte. Jeder Stromanbieter in Deutschland – ob RWE, ein kommunales Stadtwerk oder ein kleines Ökostromkollektiv – ist darauf angewiesen, seine Kilowattstunden durch dieses Netz zu leiten.

Genau deshalb hat die Europäische Union mit der Liberalisierung des Energiemarkts das Unbundling-Prinzip durchgesetzt: Netzbetrieb und Energiehandel müssen voneinander getrennt sein. Ein Unternehmen, das Strom erzeugt und verkauft, soll nicht gleichzeitig das Netz kontrollieren, über das Konkurrenten ihren Strom transportieren müssen.

Warum ist die RWE-Übernahme problematisch?
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RWE ist Deutschlands größter Stromerzeuger – zugleich aktiver Händler im Großhandelsmarkt. Mit einer Mehrheitsbeteiligung an Amprion wäre RWE nun auch Mehrheitseigner der Infrastruktur, über die seine Konkurrenten transportieren.

Oliver Hummel, Vorstandsvorsitzender von naturstrom, bringt den Kern des Problems auf den Punkt:

„Die Trennung von Netz und Energiehandel ist einer der Grundpfeiler der Strommarkt-Liberalisierung. Die geplante Übernahme von Amprion durch RWE widerspricht diesem Entflechtungsgrundsatz fundamental und würde eine weitere Marktkonzentration im Stromsektor bedeuten."

Die konkreten Risiken, die die vier Ökostromer benennen:

  • Informationsvorsprung: Amprion hat Zugang zu sensiblen Betriebsdaten des Netzes – Einspeisemengen, Engpässe, Netzkapazitäten. Wenn RWE auf diese Daten zugreifen könnte, entstünde ein struktureller Handelsvorteil gegenüber allen Wettbewerbern.
  • Diskriminierungspotenzial beim Netzzugang: Konkurrenten könnten bei der Vergabe von Netzkapazitäten benachteiligt werden – subtil und schwer nachzuweisen.
  • Barrieren für dezentrale Anbieter: Unabhängige Flexibilitätsanbieter, lokale Energiegemeinschaften und kleine Ökostromversorger sind besonders abhängig von einem neutralen Netzbetreiber.

Was fordern die Ökostromer?
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Die vier Unternehmen verlangen kein Verbot der Transaktion – das Kartellamt hat bereits entschieden. Sie fordern aber, dass die Bundesnetzagentur ein Zertifizierungsverfahren nach §§ 4a ff. EnWG einleitet. Dieses Verfahren prüft, ob ein Netzbetreiber trotz veränderter Eigentumsverhältnisse weiterhin die Voraussetzungen für eine unabhängige, diskriminierungsfreie Betriebsführung erfüllt.

Konkret soll die Bundesnetzagentur nachweisen lassen, dass Amprion:

  • operativ unabhängig von RWE agiert
  • alle Marktteilnehmer diskriminierungsfrei behandelt
  • sensible Netzinformationen schützt und nicht an den Mehrheitseigner weitergibt

RWE und Amprion hingegen betonen die Investitionsperspektive: Die Übernahme sichere und beschleunige den Netzausbau – eine in der Energiewende dringend benötigte Kapitalzufuhr für die Ertüchtigung der Übertragungsinfrastruktur.

Was bedeutet das für Verbraucher?
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Der faire Wettbewerb auf dem Strommarkt hängt unmittelbar davon ab, dass das Netz neutral bleibt. Wettbewerb zwischen Anbietern ist das wirksamste Instrument gegen zu hohe Strompreise – und er funktioniert nur, wenn keine Partei den Zugang zu Netzinfrastruktur kontrolliert.

Für Haushalte, die bewusst einen unabhängigen Ökostromanbieter wählen – etwa eine Bürgerenergiegenossenschaft oder einen gemeinwohlorientierten Versorger wie EWS Schönau oder Green Planet Energy – ist das kein abstraktes Regulierungsthema. Es geht darum, ob diese Alternativen zum Marktkonzentrat langfristig wirtschaftlich überleben können.

Die Bundesnetzagentur hat das letzte Wort in der Zertifizierungsfrage. Wie sie entscheidet, wird zeigen, ob das Unbundling-Prinzip auch unter dem Druck hoher Netzinvestitionskosten Bestand hat.

Fazit
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Der Grundsatz ist simpel: Wer das Netz kontrolliert, kontrolliert den Markt. Die vier Ökostromer fordern nicht das Unmögliche – sie pochen auf eine Prüfung, die das Gesetz ausdrücklich vorsieht. Ob die Bundesnetzagentur ein Zertifizierungsverfahren einleitet, ist die entscheidende Frage. Die Antwort wird weit über den konkreten Fall hinaus zeigen, wie ernst der liberalisierte Strommarkt in Deutschland noch genommen wird.

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Quellen
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Unabhängig von steigenden Netzentgelten und Umlagen bleibt eines steuerbar: der eigene Tarif. Vergleich auf gruener-strom.de.