Jedes zweite ausrangierte Solarmodul könnte weitergenutzt werden – Better Sol macht’s möglich#
Solarmodule haben eine Herstellergarantie von 20 bis 30 Jahren – doch viele werden weit früher aussortiert: beim Repowering älterer Dachanlagen, nach einem Eigentümerwechsel oder schlicht weil neuere Modelle höhere Leistung versprechen. Was dann mit den Modulen passiert, ist für die Klimabilanz der Energiewende keineswegs egal. Das Braunschweiger Startup Better Sol GmbH setzt genau hier an: Es prüft ausgemusterte Solarmodule, bewertet ihre Restleistung und bringt funktionierende Exemplare zurück in den Markt.
Gründerin Luisa Schulze erklärt im Interview mit der Agentur für Erneuerbare Energien, warum „aussortiert" nicht dasselbe ist wie „kaputt" – und welches Potenzial im Second-Life-Markt für Photovoltaik steckt.
Warum landen so viele intakte Module im Abfall?#
Das Kernproblem ist mangelndes Bewusstsein: Vielen Menschen ist schlicht nicht klar, dass gebrauchte Solarmodule überhaupt existieren und gehandelt werden – weder auf der Angebots- noch auf der Nachfrageseite. Wer eine alte Anlage abbaut, nimmt häufig an, die Module seien am Ende ihrer Lebensdauer. Wer eine neue Anlage plant, denkt zuerst an Neuware.
Better Sol schlägt hier eine Brücke. Rund 90 Prozent der beim Startup eingehenden Module sind nach eigenen Angaben für die Weiternutzung geeignet. Nur etwa 10 Prozent landen beim Recyclingpartner Solar Materials. Auf den Gesamtmarkt hochgerechnet schätzt Luisa Schulze, dass etwa jedes zweite ausrangierte Modul tatsächlich nochmals im Einsatz sein könnte – wenn es die richtigen Prüfprozesse und Vertriebskanäle gäbe.
Wie funktioniert die Qualitätsprüfung?#
Das Herzstück von Better Sol ist ein KI-gestütztes Testsystem, das eine detaillierte Leistungsprognose für jedes einzelne Modul erstellt und die elektrische Sicherheit überprüft. Das ist wichtig, denn nicht jede alte Anlage hat eine lückenlose Dokumentation.
Die Ergebnisse sind dabei oft überraschend positiv: Hersteller garantieren typischerweise eine jährliche Leistungsminderung von rund 0,5 Prozent. Aktuelle Forschungsergebnisse zeigen jedoch, dass Module im Durchschnitt nur 0,2 bis 0,3 Prozent pro Jahr verlieren – deutlich weniger als versprochen. Ein Modul, das zehn Jahre im Einsatz war, leistet also in der Praxis oft noch 97 bis 98 Prozent seiner Nennleistung.
Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) hat das Konzept als förderungswürdig eingestuft und Better Sol im Rahmen des Green-Startup-Programms mit rund 125.000 Euro unterstützt.
Welchen Klimanutzen bringt ein Second-Life-Modul?#
Die Herstellung eines neuen Solarmoduls ist energieintensiv: Silizium muss gereinigt, Zellen prozessiert, Verbundmaterialien gefügt werden. Wer ein gebrauchtes Modul nutzt, spart laut Better Sol pro Einheit rund 162 kg CO₂-Äquivalente gegenüber der Neuproduktion.
Im vergangenen Jahr hat Better Sol rund 3.000 Module verkauft. Das entspricht einer vermiedenen CO₂-Menge von knapp 500 Tonnen – allein durch ein kleines Team von vier bis fünf Personen. Skaliert man diesen Ansatz auf die gesamte Menge aussortierter Module in Deutschland, wäre das Potenzial erheblich.
Was bedeutet das für Verbraucher und Stromkunden?#
Second-Life-Module sind nicht nur ökologisch sinnvoll – sie sind auch günstiger als Neuware und damit für bestimmte Anwendungsfälle besonders attraktiv:
- Kleinanlagen auf Garagen oder Nebengebäuden, wo volle Nennleistung keine Rolle spielt
- Balkonkraftwerke, für die geprüfte Gebrauchtmodule eine preiswerte Alternative bieten
- Gemeinschaftliche Energieprojekte, die mit begrenztem Budget maximale Fläche erschließen wollen
- Ergänzung bestehender Dachanlagen, wenn Gleichrichter und Wechselrichter bereits vorhanden sind
Wer Strom aus einer eigenen Solaranlage erzeugt, reduziert seinen Netzbezug direkt und ist weniger abhängig von schwankenden Börsenstrompreisen. In Kombination mit einem dynamischen Stromtarif – der Eigenverbrauch bevorzugt und günstige Netzstunden automatisch nutzt – lässt sich die Wirtschaftlichkeit weiter steigern.
Second Life als Teil der Energiewende-Logik#
Die Energiewende braucht nicht nur mehr Erzeugungskapazität, sondern auch eine klügere Nutzung vorhandener Ressourcen. Better Sol zeigt, dass der Markt für gebrauchte Solarmodule längst existiert – er muss nur besser organisiert werden. Mit KI-gestützter Prüfung, transparenter Leistungsdokumentation und professionellem Vertrieb kann Second-Life-Photovoltaik einen realen Beitrag leisten: weniger Rohstoffverbrauch, mehr Kreislaufwirtschaft, und trotzdem mehr Solarstrom im Netz.
Quellen#
https://www.unendlich-viel-energie.de/erneuerbare/sonne/luisa-schulze https://www.solarserver.de/2026/03/05/startup-better-sol-second-life-fuer-das-solarmodul/ https://www.haustec.de/energie/pv-module/wiederverwendung-von-pv-modulen-ein-zweites-leben-fuer-solarmodule
Wer die Vorteile dynamischer Strommärkte und erneuerbarer Energien optimal nutzen möchte, sollte regelmäßig einen aktuellen Strompreisvergleich durchführen. Mehr dazu auf gruener-strom.de.
